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Nokias “Strategie”

Lange wurde es gemunkelt, seit gestern ist es offiziell: Nokia baut Geräte mit Android, zumindest auf Basis davon.

Eine vollkommen verrückte Geschichte. Just zu dem Zeitpunkt, als der geplante Kauf von Nokia durch Microsoft bekannt wurde, veröffentlichten normalerweise gut unterrichtete Quellen wie @evleaks die Information, das Nokia schon seit Jahren die Möglichkeit evaluiere, Geräte auf Basis von Android zu entwickeln und es sogar unter der Bezeichnung “Normandy” ein Prototypenprojekt gegeben haben soll, welches jedoch von Elop (CEO Nokia) nicht weiter verfolgt wurde. Das Thema wurde in den Techblogs tagelang hochgekocht, war es doch so passend zu der Geschichte, das Elop als ehm. Microsoft Manager nur in das Unternehmen gekommen war, um die Übernahme durch Microsoft vorzubereiten. Die Story kam wie der Blitz und verschwand auch genau so schnell wieder.

Monate später erneut das Gerücht, die Arbeiten an Projekt “Normandy” seien nicht auf Eis gelegt, sondern würden weiter aktiv verfolgt. Klar dachte man sich, noch hat Microsoft nicht genug Einfluss auf den zukünftigen Teil des Unternehmens. Spätestens in einem Monat ist das Thema gegessen und wir reden nur noch über neue Lumias, denn auch die Asha-Serie, welche im absoluten Low-End Bereich angesiedelt ist) würde Microsoft bestimmt durch Windows Phone Geräte ersetzen, hatte man doch ein Betriebssystem, welches selbst auf unterirdischer Hardware noch schnell und zuverlässig lief. Verglichen mit dem hardwarehungrigen Android in wahnsinniger Vorteil, betrachtet man prognostizierten den Wachstum in den emerging markets.

Auch nach der Absegnung des Kaufs durch alle möglichen Gremien hielt sich das Gerücht weiter und Anfang des Jahres tauchten dann plötzlich immer mehr Informationen auf, unter anderem auch angeblich reale Fotos des Gerätes, welches natürlich im üblichen Lumia Look, jedoch nur mit einer touchsensitiven Zurück-Taste ausgestattet war.

Bis zuletzt verstand man die mögliche Strategie dahinter nicht, warum sollte Nokia versuchen einen Markt zu erschließen, der bereits durch zahlreiche Hersteller sowohl im low-, mid- und high-segment vollkommen übersättigt zu sein schien?

Eines der größten Kritikpunkte an Windows Phone ist bis heute die nicht ausreichende Abdeckung an Apps sowie die mangelhafte Integration der Google-Services, an die sich heute fast jeder als Alltagsgegenstand gewöhnt hat. Auch wenn Microsoft gleichartige Services anbietet, viele davon können ihren Gegenpart bei Google nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Warum also nicht mit einer herausragenden Hardware, welches Nokia mit den letzten Lumia-Geräten immer wieder unter Beweis gestellt hat, in diesem Markt auch ein wenig mitmischen? So sehr mich als WP-Fan dieser Gedanke schmerzt, nachvollziehbar ist er in jedem Fall.

Mobile World Congress 2014 in Barcelona, 24.2.2014 8:30 Uhr auf der Nokia Pressekonferenz: Wird endlich der Nachfolger des beliebten 920 oder 820 vorgestellt? Wird vielleicht das geheimnisvolle 8” Tablet auf Basis von Windows RT vorgestellt? Oder endlich der weltweite Launch des 10” Tablets 2520 bekannt gegeben? Nein – es wird eine neue Produktlinie vorgestellt: Nokia X mit insgesamt 3 (!!!) neuen Geräten auf Basis von Google Android – RUMS!!! Eins für das ultra-low-, eins für das low- und eins für das mid-segment. Da standen die Kinnladen offen…

Ein sichtlich verunsicherter Elop versuchte auf der Bühne Nokias Idee und die dahinterliegende Strategie so gut es ging zu verkaufen, aber selbst Ihm sollte das schwer gefallen sein. Man setzte also auf ein Betriebssystem mit genialen Services und eine gigantischen Menge an Apps – wie schon gesagt, soweit nachvollziehbar. Aber die Nokia X-Series gibt keinen Zugriff auf den Google-Store, sondern nur auf den hauseigenen Nokia-Store in welchem Apps von Entwicklern eingestellt werden können. Offensichtlich scheinen bestehende Android-Apps auch nicht ohne Weiteres auf die “Nokia Plattform” migrierbar zu sein, es müssen von den Entwicklern zusätzliche “Anpassungen” durchgeführt werden. Also mehr oder weniger eine neue Plattform, die von Nokia parallel zu Android, iOS, WP, Symbian, BB usw. geschafften wurde – darauf hat die Welt gewartet.

Aber natürlich muss auch Nokia Flagge zeigen und sich zumindest etwas an den zukünftigen Inhaber richten: die Oberfläche ist sehr stark an der von Windows Phone orientiert: Flat-Design, Livetiles, ModernUI… Alles ursprünglich für Windows Phone geschaffen um ein systemweit einheitliches Bedienkonzept zu erschaffen (was auch beeindruckend umgesetzt wurde) wird nun “vergewaltigt” um in Zukunft vom Design her typisch aussehende Android-Anwendungen zu starten?!? – auch darauf hat die Welt nur gewartet.

Aber es gibt ja noch die angesprochenen großartigen Services… unter Android, nicht aber auf der Nokia X Plattform. Dort fiel die Wahl abermals auf Microsoft, denn es werden nur die Microsoftdienste angeboten: Outlook.com, OneDrive, Bing – darauf hat sogar das Universum gewartet…

Und was sagt Microsoft dazu? Man begrüßt die Zukunft, auf der auch auf anderen Plattformen die Microsoftdienste den Nutzern angeboten würden und betrachtet das Ganze als eine Chance die Nutzer anderer Plattformen an das Bedienkonzept von Microsoft heranzuführen und so den Weg zu Windows Phone zu ebnen. Ja ne, is klar…

Nokia nimmt also das erfolgreichste mobile Betriebssystem unserer Zeit, entfernt nahezu alle positiven Aspekte (Apps, Dienste) und erweitert diese um das wohl größte Problem der mobilen Microsoftplattform, die Dienste. Gleichzeitig greift man Microsofts Stärke des einheitlichen ModernUI-Designs auf und versaubeutelt das Ganze durch normal aussehende Android-Apps…

Es wird seit dem Kauf von Nokia gemunkelt, dass die 10” und 8” Lumia Tablets seitens Nokia auf Druck von Microsoft eingestellt wurden (bzw. nur auf einzelnen Märkten erschienen), um der hauseigenen angeschlagenen Marke Surface keine Probleme zu bereiten. Glaubt man dem, scheint Microsoft bereits genug Einfluss auf die Produktstrategie bei Nokia zu haben. Folglich scheint auch Microsoft ein Interesse an dem Project X zu haben und mit Nokia gemeinsam eine Strategie zu verfolgen. Welche das ist? Tja, das weiß wohl niemand in diesem Universum.

Windows Phone 8–Ich falle echt vom Glauben ab Microsoft…

Ich bin seit einem Monat stolzer Besitzer eines Nokia 1520 und ich liebe es. Jeder der mich kennt weiß, dass ich ein großer Fan von diesem Betriebssystem bin auch wenn ich mir der vielen Schwächen bewusst bin– manche nennen es auch “MS Fanboy”… Zwinkerndes Smiley 

Aber neben dem Taschenrechner-Bug, den Microsoft seit der ersten Version im Oktober 2010 nicht gefixt bekommen hat, hat mich heute ein weiteres “Feature” einfach nur sprachlos gemacht.

Die Kalenderapp in WP8 funktioniert – mehr aber auch nicht. Es fehlt leider eine Wochenansicht, eine gescheite Übersicht der nächsten anstehenden Termine und die Monatsansicht war bisher auf den “alten” WP-Geräten mangels Größe und Auflösung einfach unlesbar.

Ich muss zugeben, ich suche bei Terminabsprachen meist aus diesem Grund direkt im Outlook aber heute wollte ich schauen, ob es auf dem 6” großen FullHD-Display besser lesbar ist. Als erstes wird die neue Auflösung nicht genutzt, heißt ich habe fast dieselbe Größe wie vorher:

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Aber endlich kann man, dank der großen Auflösung, den winzigen Text entziffern oder viel mehr erraten. Aber wirklich etwas bringen wird es nicht, denn (und das muss man sich mal vorstellen) es wird Blindtext angezeigt:

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Zusätzlich passt nicht mal die Anzahl der angezeigten Termine…

Ich muss ja sagen als Entwickler habe ich sehr viel Verständnis für Fehler in Softwareprodukten, zumindest mehr als es ein nicht-Entwickler hat, aber das hier ist wirklich der Wahnsinn. Nicht nur das man dem Benutzer eine Ansicht bietet, die schlichtweg nicht zu benutzen ist (Zoom funktioniert nicht) sondern sie zeigt weder die richtige Anzahl der Termine noch den richtigen Text an.

Hat man sich gedacht das die Ansicht so schlecht ist, dass es eh niemandem auffallen wird? Ich bin wirklich sprachlos…

Windows Phone 8–Lasst uns munter Fehler machen…

Bei der Eroberung im mobilen Bereich steht Microsoft sich seit vielen Jahren selbst im Weg – wo der Kampf im Store durch die Massenproduktion an (teilweise) guten Apps im Moment erst einmal gewonnen scheint, musste man zusehen, wie viele Hersteller dem Betriebssystem den Rücken kehrten. Wo am Anfang mit HTC, Samsung und LG namhafte Hersteller mit im Boot waren und erste Geräte auf den Markt brachten, ist heute Nokia allein auf weiter Flur und die Geräte von HTC und Samsung kann man allenfalls noch als Zugeständnis an einen langjährigen Softwarepartner verstehen.

Nokia dominiert den langsam aufsteigenden Windows Phone-Markt – keine Frage. Wenn wirkliche Innovationen die WP8 Geräte interessant gemacht haben, kamen diese immer von Nokia – niemals von Microsoft selbst. Neben den ausgezeichneten Kameras in den Modellen 920, 925, 1020 und 1520 half Nokia vor allem mit überragenden Apps dem Betriebssystem auf die Sprünge. Nokia versteht eben etwas vom mobilen Geschäft, was man bei Microsoft im Moment leider bezweifeln muss. Jeder der einmal ein HTC- und ein Nokia-Gerät in den Händen gehalten hat, wird verstehen was ich meine.

Die Übernahme Nokias durch Microsoft scheint besiegelte Sache zu sein und auch die wenigen Hürden wurden Anfang des Jahres durch die Zustimmung von Aktionären und EU-Komission genommen. Man hat sich also das fehlende Know-How eingekauft, kein schlechter Deal da die Partnerschaft wirklich gut funktioniert hat bisher.

Heute habe ich mein Nokia 1520 bekommen, ein ausgezeichnetes Gerät und mit einem 6” Full-HD Display und Snapdragon 800 Prozessor auch endlich ein Gerät auf Augenhöhe mit den Android-Flagschiffen. Geschwindigkeit, Display, Kamera und alles erdenkliche – Ausgezeichnet! Mit auf den Gerät auch die neue Windows Phone 8 Version GDR3. Microsoft reglementiert die Hardwareausstattung aller Geräte, auf denen Windows Phone 8 laufen soll. Was bei den Minimalanforderungen noch Sinn ergibt, bremst leider die gesamte Entwicklung bei den Highend-Geräten. Während Full-HD Displays bei Android seit Jahren Standard sind, ist dieses erst mit dem aktuellen Update möglich und mangels Hardwarepartnern ist das 1520 von Nokia bisher das einzige Gerät mit solch einer Auflösung. Man kann nun über die Sinnhaftigkeit von solchen Auflösungen diskutieren, genau wie die Sinnhaftigkeit einer 40MP-Kamera im 1020, aber ein Kaufargument für so manchen Kunden ist es allemal.

So schön diese Neuerung im Bereich der Displayauflösung auch ist, leider ist das die einzig wirklich erwähnenswerte Erweiterung des mittlerweile über drei Jahre alten Betriebssystems. Seit Jahren werden viele kleine Dinge bemängelt, die sowohl das Betriebssystem an sich betreffen (Kein Notificationcenter, usw.) als auch das Entwicklungsmodell (Stark limitierte Backgroundtasks, kein voller Zugriff auf den Kalender,…) stark beeinträchtigen. Wirkliche Schritte in diesem Bereich hat Microsoft in dieser Zeit nicht gemacht.

Wo andere Plattformen schwächen im Softwarebereich durch gute Apps ausbessern, ist dies im Windows Phone Bereich derzeit meist unmöglich. Sie möchten Termine editieren, die im Kalender gespeichert sind? Geht nicht… Sie möchten alle 5 Minuten im Hintergrund einen Webdienst abfragen? Geht nicht… (Nur mindestens alle 30 Minuten). Die penible Verwaltung der zur Verfügung stehenden Ressourcen ist eine große Stärke von Windows Phone, aber leider auch eine große Schwäche, welche die Umsetzung von sehr vielen beliebten Android und iOS-Apps einfach unmöglich machen.

Schaut man sich die Ankündigungen bzgl. neuer Features an, ist dort leider nicht viel neues in Sicht und so muss Microsoft sich die Frage gefallen lassen, was das Team seit dem Launch im Oktober 2010 an der Plattform wirklich gemacht hat. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, ich bin ein Begeisterter Nutzer von Windows Phone aber es ist mir einfach unbegreiflich, warum ein Global Player wie Microsoft seit Jahren tatenlos zusieht, wie eine Plattform mit großen Potential einfach nur vor sich hin dümpelt und mal wieder den entscheidenden Schritt nach vorne verpasst, nachdem man diesen Trend vollkommen verschlafen hat und man nun eigentlich das Feld von hinten aufräumen müsste.

Derzeit findet die CES in Las Vegas statt und der Trend in diesem Jahr sind Wearables, also früher alltägliche Gegenstände wie Brillen, Uhren, Armbänder und vieles anderes Mehr. Nahezu jede Technologieprognose der nächsten Jahre sagt einen regelrechten Boom des “Internet of Everything” voraus, also das vernetzten von alltäglichen Dingen die wir jeden Tag im Leben nutzen. Nun ist Google mit der Datenbrille Google Glass und einer schier gigantischen Nutzerbasis an Android-Geräten natürlich im Vorteil, aber auch bei Apple vermutet man die Arbeit an einer iWatch. Auch sonst hat nahezu jeder Hersteller solche Devices im Angebot, die in Kombination mit einem Android oder iOS-Gerät genutzt werden können. Warum kein Windows Phone? Natürlich, weil die Nutzerbasis derzeit noch nicht so groß ist. Klar wird irgendwann auch eine Unterstützung für Windows Phone vorhanden sein, da sich jeder die “gesamte Plattform” auf die Fahne schreiben möchte.

Aber was bedeutet das für Windows Phone 8? Nachdem man den Trend im Smartphone und Tablet-Bereich hinterher rennt und verzweifelt Anschluss in selbigem sucht, wird nun der nächste Trend verschlafen? Ist der Trend erst bei den Consumern angekommen, werden wahrscheinlich die wenigsten Kunden auf eine Plattform zurückgreifen, die diesen nicht unterstützt. Ein großer Teil der Wearables wurde von Startups produziert und zum Teil über Plattformen wie Kickstarter finanziert, siehe die Pebble-Watch. War es Microsoft da nicht möglich, einige dieser Startups zu unterstützen um so bei dem Trend der nächsten Jahre eine Unterstützung für Windows Phone 8 von Anfang an zu bekommen? Wie gern hätte ich eine Smartwatch, leider gibt es bis heute keine, die mit Windows 8 funktionieren würde. Leider ist auch keine Besserung in Aussicht und so werde ich mal wieder mit meiner WP8-kompatiblen Smartwatch rumlaufen dürfen, während die Nutzer zahlreicher anderer Plattformen schon auf der nächsten Trendwelle reitet – Thumbs Up Microsoft!