Training - Beratung - Projektarbeiten

www.David-Tielke.de

Buchvorstellung: iWoz – Wie ich den Computer erfand und Apple mitgründete von Steve Wozniak

Eigentlich verwende ich die wenige Zeit die ich zum Lesen habe, meist für das Studium von Fachbüchern. Als ich jetzt aber durch Zufall den Klassiker “The Silicon Valley Story” gesehen habe (dort geht es geht um die Anfänge von Microsoft und Apple aus Sicht von Steve Wozniak und Steve Ballmer), bin ich auf das Buch iWoz von Apple-Mitgründer Steve Wozniak aufmerksam geworden. Da dies ein Buch mit starkem Technikhintergrund ist, ohne gleichzeitig ein Fachbuch zu sein, verschenkte ich es zu einem Geburtstag an einen Freund als leichte Lektüre für zwischendurch. Beim Einpacken durchstöberte ich den Umschlagtext und war derart fasziniert, dass ich es gleich ein zweites Mal bestellte Smiley 

Das Buch beschreibt zunächst seinen Werdegang beginnend im Alter von 3 Jahren und schon dort zeigt sich, dass Steve Wozniak nicht nur technisch hochbegabt ist, sondern bereits in frühen Tagen von seinem Vater neben technischen Dingen vor allem eine hohe moralische Wertvorstellung vermittelt bekommt. Er beschreibt weiter wie sein Vater als Ingenieur bei Lockheed arbeitet und wie er ihm bereits früh elektronische Prinzipien wie Spannung, Strom und Widerstände erklärt. Dabei merkt man die ganze Zeit wie sehr in Steve der Ehrgeiz brennt, selbst irgendwann ein solcher Ingenieur zu sein, wie sein Vater. Die Erzählungen gehen weiter über Technologiewettbewerbe in der Highschool, seine Anfänge im Studium, die Entwicklung der BlueBox (Gerät um kostenlos telefonieren zu können), seine ersten Kontakte zu Steve Jobs, seinem ersten (richtigen) Job bei Hewlett Packard und schließlich die Gründung von Apple. Dabei geht er besonders auf die Schaltungen und Geräte ein, die er dabei entwickelt, so detailliert, wie ich es in einem solchen Buch nicht erwartet hätte. Dabei erstaunt Wozniak bereits im frühen Jahren mit selbstentwickelten Geräten wie z.B. dem Tic-Tac-Toe-Computer, der wahrscheinlich selbst mich, als studierten Nachrichtentechniker, vor ein Problem stellen würde.

Dabei ist das Buch ein gelungener Mix für jeden Lesen, denn es geht nicht nur um technische Dinge, sondern auch um viele lustige Dinge, moralische Wertvorstellungen und amerikanische Geschichte. Aber für mich besonders interessant war die Erkenntnis, warum Steve Wozniak zu dem Genie geworden ist und das es nicht das oft beschrieben “göttliche Talent” war, sondern eine solide und gründliche Erziehung, Wissbegierde, ein guter Lehrer und ein Schulsystem, das genau auf solche Kinder ausgelegt ist und diese fördert. Die Art und Weise wie dieses Buch die Lebensgeschichte und die unglaublichen Leistungen vermittelt ist beispiellos und ein Muss für jeden technisch Interessierten.

Für jeden, der den Werdegang einem der größten Ingenieure der Welt einmal genauer verfolgen möchte, ist dieses Buch genau das richtige. Selten hat mich ein Buch so sehr gefesselt, motiviert und begeistert zugleich. Man merkt in jeder Zeile das Wozniak ein Ingenieur durch und durch ist und es macht teilweise wirklich sprachlos, welche Leistungen er bereits im jungen Alter vollbracht hat.

Links
iWoz – Die Autobiographie des Apple-Erfinders

i, i, i wo ist Es denn?

Wo einige Unternehmen teure Werbekampagnen starten müssen, um ihre neu entwickelten Produkte an die Kunden zu bringen, stellt eine Firma jedes Jahr aufs Neue eine Ausnahme dar: Apple. Kein anderes Unternehmen versteht es derart gut, ihre Kunden (bei Apple darf man sie getrost Fans oder Jünger nennen) vorab derart zu illusionieren, das selbst erwachsene Personen sich plötzlich aufführen wie Schulkinder zur Weihnachtszeit. Das Apple noch nicht auf die Idee gekommen ist, in ihren iStores einen Keynotekalender in Apfelform zu verkaufen, womit man vom Ankündigungsdatum an, jeden Tag ein kleines Kläppchen öffnen kann (wobei jeden Tag ein App-Symbol mit einem Hinweis auf das baldige Produkt zu finden ist), bis zu angekündigten Keynote, verstehe ich bis heute nicht.

Microsoft fuhr in diesem Jahr mit Windows 8 ein ähnliche Strategie: Nachdem man den Kunden (ja, hier sind es leider nur Kunden) vorab einige Screenshots oder kurze Videos “hingeworfen” hatte, zog man eine Veranstaltung ganz im Stil von Apple auf: Die Build (ehemals Professional Developer Conference – PDC). Auch wenn ich persönlich es Microsoft nicht zugetraut hätte, war die Konferenz aus Kundensicht wirklich fast so etwas wie die legendären Apple-Keynotes – Windows 8 ist echt ein geniales Stück Software und die (nicht Entwickler-)Massen waren begeistert. Aber eben nur fast, es fehlte eine Präsens auf der Bühne. “The one” mit dem sich jeder ein Stück weit identifizieren konnte und zu dem gleichzeitig auch jeder irgendwie hinauf schaute… So jemand wie Steve Jobs! 

Doch natürlich schläft auch die Apfelfraktion nicht – vor einige Zeit kündige Apple die längst überfällige Keynote an: “Let’s talk iPhone”. Zusammen mit diesem knappen Satz, wurde ein Bild veröffentlich, auf dem genau vier App-Icons zu sehen waren: Ein Kalender Icon mit “Tuesday the 4th”, einem Icon mit der Uhrzeit 10:00, einem Map-Icon mit der Adresse von Apple’s Headquater und einem Icon das einen verpassten Anruf zeigt. Das die ersten drei Icons auf die Keynote am 4.10.2011 um 10:00 Uhr im Apple Headquater in Kalifornien hinwiesen, war klar, aber das letzte Icon führt zu den wildesten Spekulationen – Einige spekulierten gar darüber, ob das neue Gesicht von Apple Tim Cook, in der Keynote einen Videocall mit Steve Jobs führen würde um über das neue iPhone zu plaudern. Und wie jedes Jahr geht mir dabei derselbe Gedanke durch den Kopf: Wow Apple! Egal auf welcher Newsseite man in der letzten zeit unterwegs war, überall gab es wildeste Spekulationen über das neue iPhone 5. Während einige nur über die Funktionen spekulierten, präsentierten andere gar Ganze selbst angefertigte Prototypen. Zusätzlich konnte man seit einiger Zeit bei T-Mobile ein neues Smartphone vorbestellen – jedem war klar um welches Smartphone es sich handeln würde. Versuchte man an der Hotline das neue iPhone zu bestellen, entgegnete die nette Dame am Ende nur mit “das haben wir hier nicht, sie können nur ein Smartphone der neusten Generation vorbestellen” – Wuuuhaaaa, das ist der Punkt an dem die Nägel der eingefleischten Apple-Jünger schon bis zur Schulter abgekaut waren.

Pünktlich um 19 Uhr (MEZ), als alle Apple-Jünger ihr iPad gen Kalifornien gedreht und die Gebets-App gestartet hatten, startete die Keynote mit Tim Cook. Und dann wurde es präsentiert: Das iPhone 4S… VIER ESS! Nicht 5!!! Bitte was?!?! Unter Jobs begeisterte Apple jedes Jahr, fast ohne Ausnahme, mit genialen und vor Innovation nur so platzenden Produkten und jetzt reicht es plötzlich nur noch für ein 4S??? Ein herber Schlag für die Jünger und ein toller Tag im Kalender für alle Applefeinde – Das was Apple Jahrelang ausgezeichnet hatte, mit dem Apple eine Phänomen wie sonst nirgends geschaffen hatte… sie hatten es versaut! In Zeiten in denen über Features wie Stereokameras, 3D-Bildschirme, HD-Auflösungen, Bezahlen mit Smartphones und vielem Mehr gesprochen wird, schafft Apple es nur, ihren Antennenbug zu fixen, eine bessere Kamera einzubauen, einen doppelkern Prozessor einzubauen und eine Spracherkennung zu integrieren? Na klasse, letzteres kann man Windows Phone 7 Mango auch, aber das Feature ist so unwichtig, das selbst Microsoft es nicht für nötig gehalten hat, es gesondert zu erwähnen – zumal es für den deutschen Raum noch nicht zu funktionieren scheint. Selbst mit den angesprochenen Verbesserungen schafft Apple es nicht wirklich zur Hardwarespitze der Smartphones aufzuschließen.

Und was gab es noch? Die iCloud – Noch eine Wolke mehr am Himmel, nur komisch das selbst Apple nicht versteht, dass schon die bisherigen Wolken bei dem gemeinen Fußvolk nicht sonderlich beliebt sind. Die iCloud soll auf Amazon AWS und Windows Azure (ja, das Ding von Microsoft, irgendwann muss sich Microsoft’s großes Apple-Aktienpaket ja auszahlen) basieren. Dort bekommt man 5GB umsonst und 10GB für 16 Euro im Jahr. Nun kann man Bilder, Musik und Filme mit allen Apple-Geräten synchronisieren. Das Apple schon in der Vergangenheit nicht unbedingt verantwortungsvoll mit den Daten der Jünger umgegangen ist, wird hier bestimmt bald keinen mehr interessieren und das man bei Microsoft 25GB umsonst bekommt, auch nicht.

Welches Fazit sollten wir daraus ziehen? Jahrelang war Apple im Smartphone und Tabletbereich der Innovationsmotor, der nun aber nur noch Trabant-Qualität zu haben scheint. Das angekündigte iPhone 4S zaubert jedem Android oder Phone 7 Mango Besitzer ein breiten selbstzufriedenes Lächeln ins Gesicht und sollte auf der anderen Seite jedem Apple-Jünger zum nachdenken anreden. Jemand hat einmal gesagt, das dass Problem von Microsoft seiner Meinung nach ist, das heute keine Person mit Visionen mehr an der Spitze ist, sondern jemand der nur in Zahlen denkt. Trifft dasselbe jetzt etwa auch auf Apple zu nachdem Jobs krankheitsbedingt ausgeschieden ist? Ich Sinne der vielen Innovationen die Apple uns gegeben hat, hoffe ich, dass es nicht so ist…